Mahjong TideArchiv der Kunst des Tages

Kunst des Tages · 18. September 2026

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Die berühmte Perle hat keinen Haken und fast keinen aufgemalten Umriss.

Spiele heute Mahjong Solitaire - kostenlos und ohne Konto.

Vor dunklem Hintergrund wendet sich eine junge Frau mit blau-gelbem Kopftuch dem Betrachter zu
Künstler
Johannes Vermeer
Datum
ca. 1665
Technik
Öl auf Leinwand
Sammlung
Mauritshuis, Den Haag

Ein Ohrring aus Licht

Der untere Rand der Perle fehlt. Vermeer setzt oben einen scharfen weißen Lichtpunkt und darunter einen breiteren, blassen Reflex; den Rest der Form ergänzt unser Auge. Kein sichtbarer Haken verbindet den Ohrring mit dem Ohr. Wegen seiner ungewöhnlichen Größe und der stark glänzenden Oberfläche bezweifeln Forschende sogar, dass hier überhaupt eine Perle dargestellt ist.

Ein Gesicht, kein benanntes Porträt

Im Niederländischen des 17. Jahrhunderts hieß eine solche Studie Tronie. Diese Werke dienten dazu, Gesichter, Ausdrücke, Kostüme und malerisches Können zu erkunden, nicht die Identität eines Auftraggebers festzuhalten. Das exotisierende Kopftuch und der dunkle, unbestimmte Hintergrund lösen die junge Frau aus einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort.

Der Moment der Wende

Ihr Körper ist abgewandt, doch Augen und leicht geöffnete Lippen richten sich zu uns zurück. Vermeer verzichtet an Nase und Wange auf harte Konturen und modelliert das Gesicht allein durch Lichtwechsel. Moderne technische Untersuchungen haben Wimpern, einen grünen Vorhang hinter der Figur und die sorgfältige Wahl der Pigmente sichtbar gemacht. Wer sie war, konnten sie nicht klären. Diese Ungewissheit gehört zur Begegnung.

Ein Gesicht aus wenigen Mitteln

Aus der Nähe zerfällt die berühmte Perle in wenige Pinselstriche: einen hellen Lichtpunkt, einen weicheren Reflex darunter und den dunklen Hintergrund, der ringsum sichtbar bleibt. Ein sorgfältig gezeichneter Haken am Ohr fehlt. Vermeer vertraut darauf, dass unser Auge ein Objekt vervollständigt, das vielleicht gar keine echte Perle darstellt. Die Illusion entsteht ebenso durch Weglassen wie durch Einzelheiten.

Das Gesicht funktioniert ähnlich. Der gedrehte Kopf, die leicht geöffneten Lippen und das Licht am Nasenrücken erzeugen unmittelbare Nähe, doch der dunkle Grund verrät nichts über Raum, Handlung oder gesellschaftliches Umfeld. Das exotisierende Kostüm kennzeichnet das Bild als Tronie, als Studie eines Typs und seiner Erscheinung statt als herkömmliches Porträt mit Namen. Wir begegnen einer überzeugenden Gestalt und erfahren doch fast nichts über den Menschen.

Quellen und weiterführende Lektüre