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Kunst des Tages · 18. Oktober 2026

Schwertlilien

Es gibt keinen aufgemalten Fluss, dennoch beschreiben diese Blumen eine berühmte Überquerung.

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Gruppen blauer Schwertlilien und grüner Blätter breiten sich rhythmisch über einen goldenen Stellschirm aus
Künstler
Ogata Korin
Datum
ca. 1701
Technik
Tusche und Farben auf goldbelegtem Papier
Sammlung
Nezu-Museum, Tokio

Eine Landschaft ohne Horizont

Das Blattgold hebt die gewohnte räumliche Tiefe auf. Über die beiden Stellschirme scheinen Schwertlilien in mal dichten, mal offenen Gruppen zu schweben. Korin wiederholt und spiegelt verwandte Blüten- und Blattformen. Aus diesem begrenzten Repertoire entsteht ein Rhythmus, der sich verändert, sobald die gefaltete Fläche geöffnet wird.

Ein in den Blumen verstecktes Gedicht

Das Motiv verweist auf die Episode der Acht Brücken aus den Geschichten von Ise. Reisende halten an einem von Schwertlilien gesäumten Fluss, und einer von ihnen verfasst ein Gedicht, dessen Zeilen mit den Silben von kakitsubata, dem japanischen Wort für Schwertlilie, beginnen. Wer die Erzählung kannte, konnte sich Brücke, Wasser und Reisende allein anhand der Blumen hinzudenken.

Wiederholung als Erfindung

Ein genauer Vergleich zeigt, dass viele Blüten auf Schablonen oder wiederholten Mustern beruhen und nicht als einzelne botanische Porträts entstanden. Gerade diese Sparsamkeit der Formmittel ist eine Stärke der Gestaltung. Kleine Veränderungen in Überschneidung, Richtung und Abstand verleihen den Pflanzen einen musikalischen Rhythmus, während Blau und Grün vor dem spiegelnden Goldgrund ungewöhnlich intensiv leuchten.

Wiederholung ohne Horizont

Die Stellschirme zeigen weder Himmel noch Bodenlinie noch einen fernen Garten. Schwertlilien stehen in Gruppen auf dem Goldgrund und lassen dazwischen weite Flächen leer. Die Blätter wiederholen wenige kräftige Diagonalen, während blaue Blüten unregelmäßige Akzente setzen. Unser Auge verbindet die Lücken, die eine ausführlich geschilderte Landschaft mit Motiven ausgefüllt hätte.

Korin wird häufig mit der Iris-Episode aus den Geschichten von Ise verbunden, in der ein Reisender ein Gedicht aus den Silben des japanischen Blumennamens bildet. Der literarische Bezug bereichert die Stellschirme, muss aber nicht entschlüsselt werden, um sie zu genießen. Ihre Wirkung ist körperlich und rhythmisch: Mineralfarben, wiederholte Formen und faltbare Flächen verwandeln eine vertraute Pflanze in einen Raum, der sich mit dem Betrachter verändert.

Quellen und weiterführende Lektüre