Eis als Architektur
Geborstene Eisplatten ragen diagonal auf einen zentralen Gipfel zu und wiederholen sich wie einstürzende Dächer oder Grabsteine. Braune, grüne und blaue Schichten lassen das Eis schwer statt dekorativ wirken. Es gibt keinen sicheren Vordergrund und keine Figur, über die wir in die Szene eintreten könnten.
Das Wrack am Rande
Das Gemälde wurde mit William Edward Parrys gescheiterter Arktisexpedition in Verbindung gebracht, obwohl Friedrich keinen schlichten Tatsachenbericht malte. Rechts liegt das zerquetschte Heck eines Schiffes. Seine geringe Größe macht aus der heroischen Entdeckungsreise eine winzige Episode innerhalb einer gleichgültigen Naturgewalt.
Eine Arktis ohne Reisen
Während eines strengen Winters beobachtete Friedrich Eisschollen auf der Elbe bei Dresden und studierte ihre Bruchformen. Veröffentlichte Berichte von Polarexpeditionen regten seine Vorstellungskraft zusätzlich an. Die fertige Szene ist also erfunden, aber nicht willkürlich: Genaue Beobachtungen vor Ort liefern das Material für eine Landschaft, die er selbst nie gesehen hatte.
Das Wrack ist nicht die größte Ruine
Rechts ist das Heck eines Schiffes zu erkennen, zerdrückt und beinahe vom geborstenen Eis verschluckt. Friedrich stellt es nicht ins Zentrum. Das eigentliche Monument ist die gezackte Masse in der Mitte, wo sich Eisschollen zu einem Gebilde aufgetürmt haben, das unerbittlicher wirkt als jede menschliche Architektur. Zuerst entdecken wir eine Landschaft; erst danach erkennen wir darin die Geschichte einer gescheiterten Durchfahrt.
Der ältere Titel Das Wrack der Hoffnung begünstigte eine allegorische Deutung, obwohl er nicht Friedrichs eigener Titel für das Werk war. Das Gemälde braucht keinen erfundenen Untertitel, um Katastrophe zu vermitteln. Wiederholte Diagonalen verwehren dem Auge einen sicheren Weg, und die kalten Farben nehmen ihm jede tröstliche Distanz. Anders als in einer Sturmszene wirkt dieses Unglück erstarrt. Das Eis hat sich bereits bewegt, das Schiff zerbrochen und ist nun wieder still.
Quellen und weiterführende Lektüre
- Online-Sammlung der Hamburger KunsthalleWerkangaben, Titel, Datierung und Interpretation.
- Staatliche Museen zu Berlin, Friedrich-AusstellungstexteFriedrichs Studien, Bildaufbau und Landschaftsmalerei.
